Die Unersättlichen?! Gehälter in der Steuerbranche

 

Steht der Kanzleimitarbeiter in der Tür und möchte mit Ihnen über ein höheres Gehalt reden, ist guter Rat im wahrsten  Sinne des Wortes teuer. Auch das Steuerberater Magazin hat sich in der aktuellen Ausgabe (01/02-2016) mit dieser Frage befasst und stellt in dem Artikel "WENN MITARBEITER POKERN" verschiedene Strategien vor, auf Gehaltsforderungen von Mitarbeitern zu reagieren.

Der beschriebene Artikel hat uns sehr zum Nachdenken gebracht, weil beim Lesen der Eindruck entstanden ist, dass in Zeiten des Fachkräftemangels immer mehr Steuerfachleute ihren Chef's das Leben mit exorbitant hohen Gehaltsforderungen schwer machen.  Es steht selbstverständlich außer Frage, dass ein Mitarbeiter sich für die Kanzlei auch rechnen muss.

Mitarbeiter sind zu einer realistischen Einschätzung ihrer Gehaltsforderungen in der Lage

Unabhängig davon möchten wir die Problematik (so es denn eine ist) aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Aus dem Blickwinkel der Fachangestellten, die in den meisten Fällen sehr gute Arbeit leisten und auch durchaus zu einer realistischen Einschätzung ihrer Gehaltsforderung in der Lage sind. 

Der Bewerbermarkt ist mehr als gut. Es ist inzwischen längst kein Geheimnis mehr, dass Fachangestellte in jeder Kanzlei sehr gefragt - und sich dieser Tatsache auch mehr als bewusst sind. Will nun ein guter Mitarbeiter mit Ihnen über ein höheres Gehalt sprechen, sollten Sie dies zunächst einmal als positives Zeichen werten. Würde sich der betreffende Mitarbeiter nicht mit seinem derzeitigen Arbeitgeber identifizieren, hätte ein Gespräch über eine mögliche Gehaltserhöhung ohnehin keinen Wert für ihn und die Kündigung läge sofort auf Ihrem Tisch. 

Die Fakten in der Steuerbranche

Eine Steuerfachkraft, die mit allen in einer Steuerkanzlei anfallenden Arbeiten vertraut und seit mehreren Jahren in Ihrer Kanzlei beschäftigt ist, verdient Gehalt X. Das Gehalt wurde in der Vergangenheit minimal bis gar nicht angepasst. Bewirbt sich diese Fachkraft in anderen Kanzleien, wird sich das Aufgabengebiet nicht wesentlich ändern. Sie wird  allerdings in der Regel auf den Schlag etwa 10 - 20 % mehr Gehalt und ggf. auch weitere Annehmlichkeiten (flexible Arbeitszeiten, Weiterbildungsangebote etc.) erhalten. Die große Frage ist nun, woran liegt das? Was machen die anderen Kanzleien im Kampf um die guten Talente anders? Vielleicht kalkulieren sie anders, vielleicht wird die Fachkraft ihren Stärken entsprechend eingesetzt. Eines jedenfalls ist sicher, keine Kanzlei wird einen Mitarbeiter beschäftigten, den sie sich im Grunde nicht wird leisten können. Und nun - Hand auf's Herz! Wie würden denn Sie anstelle der Fachkraft reagieren? Mitarbeiter, die seit mehreren Jahren in einer Kanzlei beschäftigt sind, gute Arbeit leisten, dabei allerdings nicht marktangemessen bezahlt werden, wandern über kurz oder lang ab. Und bei allem Respekt, dies auch vollkommen zu Recht. 

Wenn gut qualifzierte und dem Markt angemessen bezahlte Mitarbeiter für die Kanzlei nicht profitabel sind, liegt das Problem nicht in einer überhöhten Gehaltsforderung, dann liegt das Problem schlichtweg ganz woanders. 

Überhöhte Gehaltsforderungen sind NICHT die Regel

Wir führen im Quartal etwa 48 Bewerbergespräche und die Zahl derer, die überhöhte Gehaltsvorstellungen haben, ist dabei mehr als gering. Sicherlich spielt das Gehalt bei einem Jobwechsel eine Rolle, ist aber für den tatsächlichen Wechsel nur dann ausschlaggebend, wenn der betreffende Mitarbeiter wirklich mehr als unterbezahlt ist. Die Gründe für einen Wechsel liegen in den meisten Fällen nicht am Gehalt.

Schlussendlich sollte eine gehaltsbedingte Unzufriedenheit seitens der Mitarbeiter auch im Rahmen der (hoffentlich) stattfindenden Mitarbeitergespräche deutlich werden. Spätestens dann, wenn durch den Mitarbeiter signalisiert wird, dass er mit dem gegebenen Gehaltsniveau unzufrieden ist, solten Sie als Kanzleileitung zusammen mit dem Mitarbeiter überlegen, wie man hier gemeinsam zu einer Lösung kommen kann. 

Bei Gehaltsverhandlungen empfiehlt sich übrigens die Havard-Methode für eine erfolgreiche Verhandlungsstrategie.  Entwickelt wurde dieses Konzept an der gleichnamigen Business School und besteht im Wesentlichen aus den vier Gründsätzen: 

  • Menschen und Probleme werden getrennt voneinander behandelt!
  • Verhandeln Sie Interessen, nicht Positionen!
  • Entwickeln Sie Optionen, die für beide Seiten von Vorteil sind (Win-Win)!
  • Ergebnisse beruhen auf objektiven Kriterien. 

Viel Erfolg wünscht Ihnen

Ihre Susanne Pannenbäcker 

 

 

Die Kanzleiagentur

Die Kanzleiagentur bietet seit 2010 Dienstleistungen aus dem Bereich Kanzleivermittlung, Personalvermittlung, Mediation und Coaching für Steuerkanzleien und Rechtsanwaltskanzleien an.

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